Und plötzlich war ich Kleingarten-Besitzerin


April 2018, Kiel. Das Leben entwickelte sich für mich von heute auf morgen in eine andere Richtung. Gerade stand ich noch kurz vorm Altar, kam plötzlich alles anders als geplant. Ich zog aus der gemeinsamen Wohnung mit meiner Ex-Freundin aus und suchte eine neue Bleibe. Und als ich dann voller Liebeskummer von dieser Trennung auf der Suche nach einem neuen Zuhause war, öffnete mir bei einem WG-Casting, ganz unverhofft, eine sehr interessante Frau die Tür. Noch am selben Abend bekam ich die Zusage für die WG und das Schicksal führte uns zusammen. Ich zog ein und wir verliebten uns. Wahnsinn, wie sehr doch was an dem Sprichwort dran sein kann, wenn eine Tür zu fällt, öffnet sich irgendwo eine Neue. Das Leben ist einfach magisch. Unsere Liebe war nicht laut, sie war eher leise. Wir gaben uns Zeit und die brauchte ich auch, denn ich kam ja gerade erst aus einer Beziehung und all das war sowas von nicht geplant. Doch was ist schon planbar? Liebe definitiv nicht. Wir wohnten zu dritt, dass machte das ganze Zusammenleben anders, als ich es je zuvor kannte in einer Beziehung. Ich genoss es, es war genau das, was meine Seele in dieser Zeit erleben wollte. Es war gerade Frühling und ich lebte zu dieser Zeit mit einem kleinen besonderen Hund namens Benny zusammen. Benny wollte am liebsten immer Draußen sein und mit seinem Ball spielen und ich wollte ihm dies gern ermöglichen. Als ich eines Tages mit ihm an diesen einen verwilderten Kleingarten spazieren ging, der fast um die Ecke von unserer WG war, zögerte ich nicht lange und vereinbartete einen Termin bei dem Kleingartenverein. Innerhalb von einer Woche unterschrieb ich den Vertrag und bekam diesen heiß begehrten Kleingarten in bester Lage und konnte mein Glück kaum fassen. Jeden Tag nach der Arbeit fuhr ich mit Benny zum Kleingarten und werkelte dort herum. Er konnte den ganzen Tag Draußen sein, er liebte es. Und natürlich genoss auch ich und meine damalige Freundin die Zeit in unserem Garten. Für mich war es unser Garten. Sie hatte Lust mir zu helfen und dort Zeit zu verbringen. Der Garten war absolut verwildert und das Gras meterhoch gewachsen. Ich erinnerte mich an meine Zeit auf dem Campingplatz und sah Parallelen. Es war ein neues verrücktes Projekt und ich spürte von Tag zu Tag, wie sehr ich darin aufging. Der Kleingarten war für mich ein Rohdiamant und ich freute mich auf einen tollen Sommer, mit Freunden und Grill-Abenden. Das Leben meinte es gut mit mir und schickte mir stets alles was ich brauchte, ohne viel Geld auszugeben. Zu dieser Zeit arbeitete ich bei einem Fahrrad-Unternehmen, welches einige Paletten übrig- und zu verschenken hatte. Ich durfte diese mit dem Firmenwagen in den Garten fahren und fing an daraus etwas zu bauen. Ich hatte mega Bock eine Terrasse mit einer Bar und einer Couch zu kreieren. Ganz funktionell und ohne Wasserwaage oder Zollstock, hämmerte ich die Paletten zusammen. Frei nach dem Motto: Hauptsache es hält! Es war sehr meditativ stundenlang herum zu werkeln und ich war sehr dankbar für all die lieben helfenden Hände, die immer mal vorbei schauten. Die Nachbarn um mich herum, waren unglaublich hilfsbereit. Ich bekam jedes Werkzeug, was ich brauchte, ohne zu fragen und frisch geerntetes Gemüse gleich oben drauf. Wow, während ich das so schreibe, fällt mir auf, wieviel Glück mir das Leben nach jeder Lebenskrise immer wieder schenkte. Danke Leben. Es machte unendlich viel