Workaway und Vanlife auf Langeland


Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um einfach loszufahren und Neues zu entdecken. Ich bin schon seit ner Weile bei www.workaway.info angemeldet und wollte es jetzt endlich wagen. Falls du das Konzept nicht kennst, eine kurze Erklärung dazu: Auf der Plattform richten Gastgeber*innen und Reisende Profile ein, um sich zu vernetzen. Du bietest deine Arbeitskraft an und bekommst dafür Kost und Logis. Es ist eine günstige Art zu Reisen und neue Erfahrungen zu sammeln. Und da dieses Jahr die Welt auf dem Kopf steht und meine innere Stimme mich raus aus der Stadt zog, nutzte ich Chancen. Ich schrieb ein paar Leute an und hatte relativ schnell eine Zusage für Dänemark. Perfekt, denn dort war bis dato keine Reisewarnung ausgesprochen. Eine Community auf Langeland, die Hilfe bei der Farmarbeit benötigte. Innerlich war da viel Unsicherheit, schaffe ich das? Wie wird das Zusammenleben sein? Viele Fragen und Zweifel kamen in mir hoch. Doch ich wusste, ich werde die Antworten erst finden, wenn ich hinfahre. Ich sehnte mich nach Gemeinschaft, nach Austausch und Natur. Und als ich ankam, wurde ich gleich herzlich aufgenommen, alle schienen sehr sympathisch. Der erste Arbeitstag begann und ich erntete sechs Stunden lang Rote Beete, mitten im nirgendwo auf dieser zauberhaften Insel. Und als ich dort hockte und die Rote Bete aus der Erde zog, entstanden Gespräche mit meiner Mitbewohnerin. Sie erzählte mir, dass sie schon seit einer Weile so reiste und viele solcher Erfahrungen gesammelt hatte. Die Liebe traf sie auch auf ihrem Weg und sie zog sogar kurzweilig nach Dänemark und eröffnete gemeinsam mit ihrem Ex-Freund einen Foodtruck. Genau das war es, was ich wollte. Geschichten hören, von Menschen, die nicht den konventionellen Weg gehen. Menschen, die mich inspirieren, die mich daran erinnern, dass alles möglich ist. Die Ernte verlief so nebenbei und ich war einfach nur dankbar für diesen wertvollen Austausch und fühlte plötzlich eine steigernde Energie in mir. Nach dem Arbeitstag fuhr ich mit meinem Fahrrad zum Wasser und lief ins eiskalte Meer und genoss diese Abkühlung. Um mich herum, nur Natur. Das Haus lag sehr nah am Wasser und zwischen Feldern und Wiesen, war weit und breit nichts anderes zu sehen. Ich genoss diese Ruhe sehr und bekam ein schönes Gefühl für die Insel Langeland. Der Baustellen-Lärm vor meiner Haustür und Corona waren plötzlich ganz weit weg. Am nächsten Tag hieß es, catch the Hokaido. Sechs stunden lang unter Zeitdruck Kürbisse auf einen Traktor werfen. Das war weniger meditativ und sehr hart und anstrengend. Mein Körper wollte nach der Arbeit nichts mehr tun. Ich fuhr mit meinem Van ans Wasser und schlief bis Abends bei Meeresrauschen ein. Am nächsten Tag wurde ich für das Museumscafé eingeteilt und servierte Kaffee und Kuchen und lernte dabei sogar ein bisschen Dänisch, da das Bestellsystem komplett auf Dänisch war. Yay. Hat irgendwie funktioniert, denn da waren zum Glück Bilder mit dabei. Da stand ich nun, verkaufte Kaffee und sah mich am nächsten Tag wieder Kürbisse werfen. Ich spürte in mich rein und meine innere Stimme gab mir die Antwort, fahr weiter. Irgendwas in mir rebellierte, ich hatte Vorstellungen, die sich hier nicht erfüllten und mit denen ich mich nicht konform fühlte. Denn trotz netter Gesellschaft, wollte ich meinen Platz nicht richtig finden. Ich schlief nicht gut, wachte morgens vollkommen gerädert auf und spürte wie ich immer mehr ins Ungleichgewicht kam. Ich machte mir bewusst, dass ich dies alles freiwillig tue und das ich jederzeit weiterfahren kann. Und ich wollte weiterfahren. Ich wollte Musik machen, kreativ sein, zu mir kommen und kurz abtauchen in diese andere Welt, fernab von meinem Alltag. Ich wollte mich neu sortieren. Ich verabschiedete mich und bekam herzliche Worte mit auf meinem Weg, es war ein schöner Abschied, es war eine gute Erfahrung. Denn auch, wenn ich mir die Zeit dort anders ausgemalt hatte, das wichtigste auf dieser Reise war, auf meine Intuition zu hören. Ich hab das Gefühl, dass ist absolut mein Thema dieses Jahr: Meine persönlichen Grenzen kommunizieren und in mich hinein spüren, was mir gut tut und dementsprechend handeln. Was andere sagen, ist ganz egal, was du fühlst und was sich für dich richtig anfühlt, weist dir deinen Weg. Wenn du eine Entscheidung aus deinem Herzen triffst, ganz egal, ob du etwas abbrichst oder einen anderen Weg einschlägst, dann sieh das niemals als Niederlage, es ist ein klares JA zu dir. Wir leben in diesem System, wo man allzu oft hört, dass musst du jetzt durchziehen. Schlimmer noch, wenn wir hören, du kannst ja gar nichts ab. Es ist sicherlich hilfreich, eine abgeschlossene Schulausbildung oder Ausbildung zu haben, aber verstricke dich nicht in den Gedanken etwas durchziehen zu müssen, denn Leben passiert während wir uns verirren, neu sortieren und Entscheidungen treffen. Und vor allem während wir auf unser Herz hören. Und bedenke, diese innere Stimme kann niemand hören, außer du selbst.


Ich folgte meinem Gefühl und fuhr mit meinem kleinen Camper auf und davon, um die Insel zu entdecken. Ich war aufgeregt und schon als ich losfuhr spürte ich, wie richtig sich meine Entscheidung anfühlte. Ich entdeckte wunderschöne einsame Plätze, genoss atemberaubende Sonnenuntergänge, sah Wildpferde über die Wiesen galoppieren, machte Musik und schrieb einen neuen Song. Ich hatte viel Zeit für mich, ohne viel Ablenkung und begegnete mir und meinen Sehnsüchten auf einer tieferen Ebene. Was für eine inspirierende und heilende Zeit. Und ich weiß, dass ich ohne die Zusage Für das Workaway-Angebot, vermutlich nicht auf Langeland gestoßen wäre und dabei habe ich hier etwas ganz besonderes gefunden, einen ganz neuen Zugang zur Natur und Verbundenheit mit mir selbst. Und auch wenn ich alleine weiterzog und die Intention meiner Reise mehr Gemeinschaft war, traf ich weiterhin nette Leute auf meinem Weg, ich bekam sogar von einer lieben Camperin ein Abendessen und wurde am Ende meiner Reise mit dänischen Rosen verabschiedet. Ich fühlte mich sicher. Die Reise nach Langeland hat mich mit vielen Themen konfrontiert und mich auf meiner Lebenrseise wieder ein Stück näher zu mir selbst geführt.










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